DENN ES SOLLEN WOHL BERGE WEICHEN…


"Oh man, wie soll ich denn bei dem Regen halbwegs trocken zur Gemeinde kommen?", denke ich, als es anfängt lautstark auf das Wellblechdach zu prasseln, was nicht heißt, dass die Temperaturen etwas sinken. Da freue ich mich doch schon auf das angenehme Wetter, das mich morgen Abend in Quito erwartet. Es ist Samstagabend und ich bin in Portoviejo, einer kleinen Küstenstadt in der ecuadorianischen Provinz Manabí. Hier ist es viel heißer als oben in den Anden und es gibt auch viel mehr Armut. Die Kinderwoche, bei der ich mithelfen konnte, ist vorbei und an meinem letzten Abend will ich mit zwei deutschen Kurzzeitlerinnen in den Hauskreis, bevor es morgen früh zurück nach Quito geht. Bereits fertig sitze ich auf dem Sofa, um jeden Moment das Haus zu verlassen.

Seltsame Geräusche beginnen und das kleine Holzregal fängt an zu zittern. Ein kleines Erdbeben, wie auch in Quito schon mal. Nichts Außergewöhnliches. Doch das Ruckeln wird stärker und stärker, plötzlich scheint alles zu wackeln, es ist laut und draußen sind Rufe zu hören. Das Licht lässt mich im Dunkeln sitzen und ich bleibe starr wo ich bin. Alles scheint zu schaukeln, wie auf einem Schiff fühle ich mich. Schwimmt das Haus? "Herr Jesus, Herr Jesus was ist das? Mach das es aufhört!", stammle ich nur immer wieder vor mich hin. Es hört auf, nach einer Zeit, die sich wie eine Ewigkeit anfühlt. Zitternd und schwankend beginne ich aufzuräumen, schnappe mir mein Handy und meine Bibel und verkrieche mich unter den Küchentisch.

Die darauffolgende Zeit gleitet merkwürdig an mir vorbei, erst am nächsten Tag realisiere ich was geschehen ist. Und erst viel später erreicht mich von einer Freundin genau der Vers, den ich mir für dieses Jahr ausgesucht hatte.

Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel wanken, aber meine Gnade wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der Herr, dein Erbarmer. Jesaja 54, 10.

Während ich mir diesen Vers ausgesucht habe, weil ich ihn einfach schön und ermutigend fand, hat Gott damals schon gewusst, dass ich erfahren würde, wie Dinge wanken. Aber ER, SEINE Gnade und SEIN Friedensbund wanken nicht.

Wir haben einen Felsen, der unbeweglich steht…


Marie Piepersberg